ICE Taufe in Neumünster
am 20. August 2003
ICE die Einundachtzigste

Die RB 35270 von Hamburg-Altona nach Neumünster fährt in Wrist links ran, die Fahrgäste wundern sich und bleiben geduldig auf ihren Plätzen. Der Schaffner steigt aus, es kommt die Durchsage, dass es nach einer Überholung gleich weiter ginge. Auf Gleis 1 springt das Signal auf HP 1, freie Fahrt für 401 073. Der ICE hat noch 22 Kilometer vor sich, bis er seinen Namen erhält.

Die Bahn hat geladen und alle sind gekommen, die nicht geladenen Gäste stehen am Rande und freuen sich, dass auf dem Bahnhof mal was los ist. An dem äußersten Bahnsteig auf dem Gleis 6, wo eigentlich die Nahverkehrszüge nach Heide fahren. Einst hielten hier die Uerdinger Schienenbusse, nun steht hier das Schmuckstück der „Die Bahn“. Egbert Meyer-Lovis eröffnet die Veranstaltung mit ruhiger Gelassenheit. Hatte die Taufe eines ICE T in Lübeck am Vortag noch die örtlichen Eisenbahnfreunde auf den Plan gerufen, findet Neumünster kein Interesse der Bahnfans. Für den Konzernbevollmächtigten Reiner Latsch ist dies nicht die erste ICE Taufe, aber er läßt es sich nicht anmerken, dass dies die 81. ICE Taufe ist. Latsch hebt in seiner Festrede hervor: „Neumünster war immer und ist weiterhin eng mit der Eisenbahn verbunden. Deshalb war es für die Bahn ganz klar, dass einer unser 216 ICE-Züge den Namen der Stadt tragen und als Botschafter für die Region unterwegs sein wird. Wir unterstreichen unsere Verbundenheit mit der Stadt Neumünster, indem wir einen Zug vom Typ des Tauf-ICE auf diesem Bahnhof halten lassen“. Am Rande steht Jürgen Tolksdorf und sein Kollege vom Bundesgrenzschutz. Sie repräsentieren den Bundesgrenzschutz und stehen für die gute Zusammenarbeit zwischen der Bahn und dem Bundesgrenzschutz. Schließlich hat der Bundesgrenzschutz bahnpolizeiliche Aufgaben. Neumünsters Oberbürgermeister Hartmut Unterlehberg freut sich und bekommt nach Latsch das Rednerpult. Unterlehberg erklärt : „Dem ICE „Neumünster“ wünsche ich immer eine gute Fahrt und viele Mitreisende. Die Eisenbahn spielte und spielt bei der Entwicklung unserer Stadt eine besondere Rolle. Mit der Zugtaufe übernimmt sie jetzt auch einen besonderen Part in der Werbung für unsere Stadt. Das ist ein guter Zug der Bahn, dafür danke ich“. Die Jugendlichen am Rande haben etwas gegen die Kleiderordnung verstoßen, passen sie doch eher in das Jugendzentrum in der Hochhaussiedlung. Eine Mutter muß ihren kleinen Sohn festhalten, ist die Eisenbahn doch viel spannender als was die Herren da so alles erzählen. Latsch wird die Sektflasche gereicht. Geübt schüttelt er sie durch bis zum Plopp. Gemeinsam taufen sie den ICE 1 in den Zug „Neumünster“. Den Rest von dem Sekt will Latsch seine Kollegen trinken lassen, ist er doch zu schade alles dem Schotter zu geben. Weil der große Zug doch quer durch Deutschland fahren soll, bekommt Unterlehberg ein Modell von dem Zug geschenkt. Im Maßstab 1:87, Spur H0, überreicht Latsch das Modell des Originals. Stolz zeigen sie den kleinen Zug den Fotografen und lachen routiniert in die Kameras.

Noch bevor der Privatzug mit Neubaulok auf dem Nachbargleis einfährt, lädt Meyer-Lovis mit einem souveränen lächeln in das Bahnhofsrestaurant zur Abschlußfeier. Reiner Latsch resümiert, dass der Zug doch in Zukunft Werbung für Neumünster fährt. Damit aber nicht genug, er wünscht sich auch, dass die Reisenden zukünftig sich merken das sie im Zug „Neumünster“ gefahren sind. Ein Zug fährt weiß und schnell, Werbung für die Bahn und für eine von der Bahn geprägten Stadt.

Lars Brüggemann
Links Reiner Latsch, der DB Konzernbevollmächtige und rechts Neumünsters Oberbürgermeister Hartmut Unterlehberg.
Reiner Steppat ist die gute Seele der ICE Taufen. Bei allen Taufen in Hamburg und Schleswig-Holstein, war er hinter den Kulissen um den perfekten Ablauf bemüht. Hier im Speisewagen des Taufzuges "Bad Oldesloe" auf dem Weg in das ICE Werk Hamburg Eidelstedt.
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